Kooperation mit Hella

Lokales aus der NEUEN WESTFÄLISCHEN

06.04.2006

Chance für die Hauptschule

Hella Leuchten-Systeme, Hauptschule Georg und Bezirksregierung in einem Boot

Paderborn. Der Zeitpunkt war reiner Zufall, aber er passt optimal: Gerade jetzt, wo die Hauptschulen durch die Schließung einer Schule mit gewalttätigen Kindern in Berlin in die Schlagzeilen gerückt sind, setzt ein Pilotprojekt in Paderborn ganz andere Zeichen. Ein Kooperationsvertrag zwischen der Hauptschule Georg und dem Unternehmen Hella Leuchten-Systeme sorgt dafür, dass Hauptschüler eine bessere Perspektive bekommen. "Auch wenn Paderborn nicht Bielefeld ist und Bielefeld nicht Berlin.
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"Auch wenn Paderborn nicht Bielefeld ist und Bielefeld nicht Berlin: Hauptschulen sind nicht ohne Probleme", schlägt auch Bernd Wesemeyer von der Detmolder Bezirksregierung den Bogen zu den aktuellen Ereignissen. Fest steht: Hauptschüler haben es ganz besonders schwer auf dem Ausbildungsmarkt.


Und da kommt das gestern gestartete Projekt gerade recht. An der Hauptschule Georg läuft in diesen Tagen ein Bewerbungsverfahren, an dem sich alle 100 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen in der Georgschule beteiligen können. Zehn von ihnen werden ausgewählt, die dann in dem Projekt besonders auf die Berufswelt vorbereitet werden, drei von ihnen werden später sicher einen Ausbildungsplatz bei der Hella Leuchten-Systeme bekommen, vielleicht sogar mehr Schüler.

Das theoretische Wissen für den Einstieg in eine Berufsausbildung eignen sich die Schüler in der Georgsschule an, praktische Erfahrungen sammeln sie regelmäßig bei Hella. Fit gemacht werden die Schüler dabei von der Mathematik über Deutsch bis zur Informatik, aber auch im Lernverhalten und sozialen Verhalten: "Motivation, Ordnung und Pünktlichkeit – auch das wird oben auf der Prioritätenliste stehen", erläutert Bernd Hesse. Auch für den Rektor der Georgsschule hat das Projekt, das bis Februar 2010 geplant ist, eine viel größere Dimension als die reine Vorbereitung auf die Ausbildungszeit: "Hier können die Hauptschüler nach außen tragen: Auch wir werden gebraucht von der Gesellschaft. Das stärkt das Wir-Gefühl", ist Hesse überzeugt.

Und auch die Schulabteilung beim Regierungspräsident, die fürdie richtigen Rahmenbedingungen des Projektes sorgt, und das Unternehmen signalisieren gemeinsam: "Die Hauptschulen führen kein Schattendasein, wir haben sie voll mit auf der Liste", wie Ausbildungsleiter Georg Schulte versichert. "Die Hauptschule ist förderungswürdig, auch die wollen wir als Zielgruppe haben", ergänzt Hella-Personalleiter Rütten und fügt hinzu: "Für unseren Ausbildungsbereich ist heute ein großer Tag, denn wir wollen auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung Rechnung tragen."

Beide – Regierungspräsident und Hella – müssen für das Projekt Personal-Ressourcen zur Verfügung stellen. "Auch bei der Schule setzt das Projekt ein großes Engagement voraus", weiß Bernd Wesemyer. So könnten dann auch die Anforderungen und Erwartungen der Wirtschaft an die Auszubildenden frühzeitig erkannt und die Schüler genau darauf vorbereitet werden. Ähnliche Kooperationsvereinbarungen gibt es bereits zwischen der Paderborner Benteler AG und der Hauptschule Mastbruch sowie einer weiteren Hauptschule in Blomberg und dem Unternehmen Phoenix Contact in Lippe. Die Erfahrungen aller drei Projekte werden gesammelt und sollen schließlich "in die Arbeit aller Hauptschulen in Ostwestfalen-Lippe einfließen", erläutert Bernd Wesemeyer.

Nicht auf diesem intensiven Niveau, aber Kontakte zwischen Hauptschulen und der Wirtschaft gibt es schon sehr regelmäßig: "Insgesamt haben sogar schon 60 Prozent aller Hauptschulen in OWL Partner in der Wirtschaft. Ende 2006 sollen es sogar 100 Prozent aller Hauptschulen sein", betont Christoph Höfer, Hauptschul-Dezernent bei der Bezirksregierung.

´ Im Paderborner Werk beschäftigt Hella Leuchten-Systeme rund 1.000 Mitarbeiter, außerdem 100 Auszubildende und Umschüler. Wie Personalleiter Karl-Georg Rütten erläutert, gelte der Standort Paderborn mit seinen 150 Ingenieuren als "führende Entwicklungsfabrik für Heckleuchten weltweit". Erst wenn nach zwei bis vier Jahren die Serienreife für einzelne Modelle erzielt sei, könne die Produktion neben Paderborn in anderen internationalen Hella-Standorten anrollen.

Im gesamten Hella-Konzern arbeiten 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sie erwirtschafteten im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von gut drei Milliarden Euro.

 

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